Der Tag der Preisverhandlung rückt näher und ich machte mir Gedanken, wie ich mein Angebot formulieren soll. Ich überlegte mir einige Argumente. Die Hauptargumente waren:
- sehr schönes Haus / Wohnungen
- Renovierungsbedürftig
- hohes Hausgeld
- niedrige Mieten
Ich habe aber sehr daran gezweifelt, dass mein Angebot angenommen wird. Daher habe ich mir sehr kurzfristig 3 Angebote überlegt.
- 1. Angebot für 10 Wohnungen
- 2. Angebot für 5 Wohnungen
- 3. Angebot für 3 Wohnungen
Verhandlungstag
Ich fuhr nach Wesel und hatte große zweifel bzgl. des Gesprächsverlaufes. Am Haus angekommen wurde ich bereits von der Verkäuferin und ihrem Handwerker erwartet. Wir suchten uns also ein Restaurant, in dem wir uns ungestört unterhalten konnten.
Einleitung
Ich fing also zunächst mit einer kleinen Einleitung an. Ich sagte, dass mir das Haus sehr gut gefallen hat, insbesondere auch die Lage im Zentrum der Stadt. Aber auch der Grundriss der Wohnungen mit den Balkonen. Ich stellte fest, dass die Wohnungen schon sehr lange im Bestand sind, teilweise seit 20 Jahren und habe die Arbeit und Mühe die sie in diesen Jahren dort investiert haben gewürdigt. Ich würdigte auch noch das offensichtlich gute Verhältnis zu den Mietern und schlussfolgerte, dass die Mieter ihnen am Herzen liegen.
Als Nachteil führte ich an, dass die Wohnungen alle renovierungsbedürftig sind und das, dass Hausgeld verhältnismäßig hoch ist.
Ich führte weiter aus, dass ich selbst ebenfalls ein gutes und faires Mietverhältnis anstrebe und die Wohnungen langfristig renovieren will.
Berechnungsgrundlage
Im zweiten Schritt wollte ich erläutern wie ich diese 10 Wohnungen rechnen muss, und dass dies anders ist wie bei einem Kauf für den Eigenbedarf. Die Mieteinnahmen sollen also die Investition finanzieren, d.h. die Mieten sollen alle Kosten inkl. Steuern decken. Da die Mieten sehr gemischt, aber im Durchschnitt deutlich unter dem Mietspiegel liegen. Ich sagte weiter, dass ich mit diesen aktuellen Mieten rechnen muss und das die Bank dies ebenfalls macht.
Angebot – Teil 1
Bevor ich dann wirklich zu meinem Angebot kam, habe ich noch mal kurz zusammengefasst, was die Hauptbedenken sind:
- 49% der Nettokaltmiete werden von den nicht umlagefähigen Kosten aufgefressen
- alle Wohnungen renovierungsbedürftig, min 5.000€ je Wohnung
Renovierung
An dieser Stelle wurde das Interesse von dem Handwerker geweckt, er meinte dann, dass er so ein Badezimmer für 600 – 700€ renovieren würde. In den Wohnungen müsse man gar nicht so viel machen und die Kosten würden sich in Grenzen halten. Ich habe ihn dann direkt um seine Telefonnummer gebeten, denn so günstig kriege ich es wohl nicht hin ;-).
Angebot – Teil 2
Nach diesem kurzen Exkurs in die Renovierung konnte ich dann endlich mein Einstiegsangebot unterbreiten, welches bei 280.000€ lag.
Die Reaktion war natürlich zunächst verhalten bis geschockt, ich vermute, dass sie sich einen Kaufpreis von ca. 450.000€ erhofft hatten. Meine 280.000€ waren ihnen definitiv zu wenig. Die weiteren Diskussionen zogen sich über eine längere Zeit, bis wir schließlich an meinem absoluten Limit angekommen sind, nämlich den 330.000€. Die war ihnen leider immer noch nicht genug und an dieser Stelle wurde dann der Telefonjoker gezogen.
Die Verkäuferin rief dann ihre Schwester an und bat mich mit ihr zu sprechen. Die Schwester kennt das Haus wohl auch sehr gut und ich erzählte ihr wie der aktuelle Stand ist. Nach dem Gespräch wurde noch ein paar mal versucht, noch ein paar Tausend Euro mehr herauszuholen. Wir einigten uns dann schließlich auf mein Angebot und sie gab mir die Hand darauf.
Ich hatte gerade 10 Wohnungen gekauft!!!! 
Details
Ich hatte soeben 10 Wohnungen gekauft, ca. 400m² zu 330.000€. Dies entspricht in etwa einem Preis von 850€/m² bei einem Marktwert von ca. 1250€/m².
Absprachen
Ich versicherte, dass ich versuche die Verkäufer so wenig wie möglich zu belasten. Ich würde also alle nötigen Dokumente beschaffen und die Absprachen mit dem Notar tätigen. Ich hatte vorsorglich eine Vollmacht mitgebracht, welche mich dazu berechtigt diverse Unterlagen einzuholen.
Wir einigten uns sofort auf einen der Familie bekannten Notar und verabschiedeten uns.

